Mittwoch, 17. März 2010

Prozessorientierung im Unternehmen

Die Automobilindustrie hat es vorgemacht. Modelle wie das "Kaizen" haben die permanente Qualitätsverbesserung im Blick und "Just-in-time" organisiert die Lieferung von Teilen an die Produktion genau dann, wenn sie gebraucht werden. Neben Produktentwicklung und effizienten Produktionsanlagen rückt mit den Produktions- und Geschäftsprozessen die Prozessorientierung in das Zentrum der Unternehmensorganisation.

Konsequente Prozessorientierung schafft die Wirtschaftlichkeit und Flexibilität für den Erfolg am Markt, Kundenwünsche werden durch vielfältige Varianten und größere Termintreue erfüllt, schnellere Produktion spart Kosten, es gibt weniger Fehler und Lagerbestände können heruntergefahren werden.

Viele Unternehmen haben erkannt, dass Produkt und Herstellung nur noch wenig Sparpotential bieten und planen deshalb Projekte, die mit prozessorientierter Organisation zu tun haben. Von einem Drittel der Unternehmen wurde Prozessorientierung als eines der fünf wichtigsten Projekte für das laufende Jahr genannt, ergab eine Umfrage der Zeitschrift zfo bei mehr als 1000 Führungskräften in unterschiedlichen Branchen (1).

Was zeichnet prozessorientierte Unternehmen aus? Meist liegt die Verantwortung für Definition, Dokumentation und Umsetzung von Geschäftsprozessen bei der IT. Erfolgreich ist dies jedoch nur in Unternehmen, deren Prozessorientierung in der Geschäftsleitung und im Management verankert ist. Wenn in der strategischen Planung des Gesamtunternehmens und in der Unternehmenskultur Geschäftsprozesse als zentrales Element gesehen werden, folgen weitere Schritte zu prozessorientierter Ausrichtung: Jeder Prozess wird explizit gestaltet und dokumentiert, es gibt einen verantwortlichen Prozesseigner und für die Einführung und Änderungen in der Ablauforganisation werden eigens Projekte aufgesetzt. (2)

In der Praxis setzt sich der prozessorientierte Ansatz langsam durch. Ein Beispiel für Unternehmen, die eine Prozess-Strategie haben, ist Henkel. CIO Peter Wroblowski gewährte bei den Hamburger IT-Strategietagen im Februar 2010 einen Einblick. Das Angebot der IT-Abteilungen wandelt sich vom reinen IT-Leistungsanbieter und Software-Entwickler hin zum Prozessberater. Das Anforderungsprofil der IT-Mitarbeiter ändert sich entsprechend.

Diese Entwicklung wird von Peter Wroblowski damit begründet, dass man mit klassischen IT-Dienstleistungen immer mehr in den Wettbewerb zu Anbietern am Markt kommt, IT-Services werden Commodity und sind oft preisgünstiger von extern zu bekommen. Ein weiterer bedeutender Aspekt für die Prozessorientierung: Einsparungen wirken sich in der Prozessorganisation wesentlich stärker aus als der effizienteste IT-Einsatz. Bei Henkel zum Beispiel liegen die Prozesskosten bei sechs bis sieben Milliarden Euro, da lohnt sich die Bemühung um das Einspar-Potential von zwei Prozent. Im Kern dieses Bemühens steht bei Henkel die Integration der IT-Manager ins Business. Sie qualifizieren sich als Berater für Geschäftsprozesse in fachlicher Hinsicht und nehmen eine aktive Rolle bei der Planung von Geschäftsprozessen ein. Die Automobil-Industrie hat es vorgemacht.

Quellen:
(1) Artikel "Organisation 2015" - Zeitschrift für Führung und Organisation zfo, Heft 5/2009
(2) Studie zur Prozessorientierung von Industrieunternehmungen (Zusammenfassung) - http://de.processorientation.com/?p=5
(3) Die IT-Prozess-Strategie von Henkel - http://www.cio.de/partnerangebote/it-strategietage/2223862/index.html

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